Singend Deutsch lernen

Anette Bethge singt mit Geflüchteten Kinderlieder. Foto: Stefanie Langos

Hamburg. „Musik öffnet die Herzen“, sagt Anette Bethge kurz bevor sie den großen Saal des Jugendzentrums Manna in Volksdorf betritt. Normalerweise kümmert sie sich um die musikalische Früherziehung von Kindern der katholischen Kita St. Bernard in Poppenbüttel. Seit vier Monaten übt sie dieselben Lieder auch mit Erwachsenen, die nach Deutschland geflüchtet sind. Ein Lächeln huscht über die Gesichter der zwölf Frauen und Männer aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak und Eritrea als die 55-Jährige mit ihrer Gitarre die Gruppe besucht. Es ist Mittwochmorgen, ein Tag, auf den sich die Teilnehmer besonders freuen. Es sei etwas Besonders, dass man in den Erstorientierungskursen singe. „Wir haben einen Schüler, der spricht fließend Deutsch, der kommt nur wegen des Singens her, weil er in seinen Deutschkursen nie gesungen hat.“ Anette Bethge, die beim Malteser Hilfsdienst Integrationsarbeit leistet, setzt sich vor die Tischreihen, ein Kinderliederheft liegt vor ihr auf dem Stuhl. Heute will sie „Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder“ singen. Zuerst spricht sie langsam den Text vor, die Schüler wiederholen im Chor Strophe für Strophe: „Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder, den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter“. Deutschlehrer Ghassem Kahed unterstützt sie dabei, in dem er auf einem Schaubild auf die Jahreszeiten zeigt.
„Kinderlieder helfen beim Einstieg in die deutsche Sprache“, so Bethge. Die Teilnehmer hörten dabei die richtige Aussprache, was gut fürs Spracherlernen sei. „Viele Menschen lernen die Sprache leichter über Musik. Ich selbst kann mir alles in Liedform besser merken“, sagt Bethge. Aber ganz so einfach ist das Liederlernen dann doch nicht: „Die Geflüchteten müssen sich erst in die Melodie reinhören. Viele hören keine Melodie und können daher anfangs die Lieder nicht so gut mitsingen. Und manche sind das Singen nicht geübt“, so Bethge. Aber die Erwachsenen fänden es trotzdem schön, mit ihr die Kinderlieder zu lernen. „Sie können dann gemeinsam mit ihren Kindern singen, wenn die aus der Kita oder der Schule kommen. Den Deutschen wird ja oft nachgesagt, sie seien ernst und steif. Ich möchte zeigen, dass wir auch eine Lockerheit und Leichtigkeit haben. Beim Singen lachen wir viel, sonst ist der Deutschkurs eher harte Kopfarbeit.“


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