Neue Hospizgruppe St. Maximilian Kolbe

Der Malteser Hilfsdienst hat im Malteserstift St. Maximilian Kolbe in Hamburg-Wilhelmsburg einen neuen Hospizstandort gegründet. Seit Oktober 2018 berät und unterstützt Koordinatorin Astrid Karahan regelmäßig Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter. Die Malteser werden ab 22. November 2019 zum zweiten Mal im Bürgerhaus Wilhelmsburg Interessierte zu ehrenamtlichen Sterbebegleitern ausbilden (Schulungsflyer). Der erste Befähigungskurs „Sterbende begleiten lernen“ wurde im April 2019 mit neun Teilnehmern abgeschlossen, derzeit finden erste Begleitungen im Pflegeheim Malteserstift St. Maximilian Kolbe (Krieterstrasse 7) statt.

Die Ehrenamtstreffen und Fortbildungen werden nach dem Umbau der ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche in den Räumen des zukünftigen Begegnungszentrums stattfinden. Nach und nach werden nach Bedarf ambulante Begleitungen, Trauerangebote und die Kinder- und Jugendhospizarbeit hinzukommen. 

 

Bild: iStock.com/frimages

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Corinna Woisin

Corinna Woisin
Abteilungsleiterin Hospizarbeit, Palliativmedizin & Trauerbegleitung
Tel. 040 20 94 08-606
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Malteserstift St. Maximilian Kolbe
Krieterstraße 7
21109 Hamburg
Telefon: (040) 603 30 01

Aktuelles

"Diese Aufgabe erdet mich"

Hussam Khoder im Gespräch mit einer Interessentin für die ehrenamtliche Sterbebegleitung. Foto: Sabine Wigbers

Hamburg. Im Rahmen der Hamburger Hospizwoche fand am Sonntag, 13. Oktober im Wilhelmsburger Bürgerhaus der Filmabend „Halte meine Hand“ statt. Der gleichnamige Dokumentarfilm gab Einblicke in das Leben von Hussam Khoder als voll berufstätiger alleinerziehender Vater zweier Kinder, als fürsorglicher Enkel seines sterbenden Großvaters, als aktives Mitglied seiner muslimischen Gemeinde in Berlin und als ehrenamtlicher Sterbebegleiter im Lazarus-Hospiz in Berlin-Mitte.

Hussam Khoder ist der erste deutsch-arabische Sterbebegleiter in Berlin und will für Menschen jeder Herkunft und Religion am Lebensende da sein. Hussam Khoder war selbst bei diesem Filmabend vor Ort und erzählte von seinem Engagement, dem er vier Stunden Zeit pro Woche widmet. „Für mich ist klar: Da ist ein kranker Mensch, der Hilfe braucht, da ist man da. Aber in unserer Kultur ist Sterbebegleitung noch recht unbekannt.“ In orientalisch-deutschen Familien ist es Tradition, sich selbst um seine Kranken zu kümmern, erst recht um die Sterbenskranken. Doch die Strukturen verändern sich auch in muslimischen Familien: die Scheidungsrate ist hoch, Frauen und Männer sind berufstätig - wo soll da Zeit für alte und kranke Angehörige bleiben?
Hussam Khoder will für Aufklärung sorgen und weiß, dass dies Zeit braucht: "Man muss ihnen erst einmal die Angst nehmen, dass wir kommen und ihnen den Sterbenden wegnehmen, dass er in einem Heim einfach verschwindet. Und erklären, dass es keine Schande ist, fremde Hilfe anzunehmen,“ sagt er.
Wertvoll ist sein ehrenamtliches Engagement nicht nur für den Begleiteten und die dadurch entlasteten Familien, sondern auch für ihn selbst: „Diese Aufgabe erdet mich“, sagt Hussam Khoder. „Man ist ganz nah dran am Patienten, man sieht direkt, wie es ihm geht und wie er sich fühlt,“ das sei das Besondere und Schöne an dieser Aufgabe. Seine längste Begleitung habe acht Monate gedauert, in dieser Zeit sei er der Einzige gewesen, der den Mann besucht habe. „Wenn man jemanden über eine längere Zeit begleitet, berührt es einen natürlich sehr, denn man hat ja eine Bindung aufgebaut.“

Hilfe auf dem letzten Weg – die Malteser bauen nun auch in Wilhelmsburg, wo zahlreiche Familien mit Migrationshintergrund leben, ihre Hospizarbeit auf. Wer sich selbst für ein Ehrenamt als Sterbebegleiter interessiert und Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten möchte, meldet sich im Malteser Hospiz-Zentrum. Die nächste Schulung, die auf dieses besondere Ehrenamt vorbereitet, beginnt am 22. November 2019. Weitere Infos und Anmeldungen (bis zum 15.11.) unter Tel. 040 6033001.


Geschenkte Zeit – Sterbende begleiten lernen

Katharina Münster ist Hospizbegleiterin der Malteser in Wilhelmsburg. Foto: Johannes Mauerhof

Kursstart am Freitag, 18. Oktober in Wilhelmsburg

„Sterben ist nicht einfach“, sagt Hospizbegleiterin Katharina Münster. Sie begleitet ehrenamtlich Menschen, die im Malteserstift St. Maximilian Kolbe in Wilhelmsburg im Sterben liegen. Die 53-jährige Kunsttherapeutin hat kürzlich den Kurs „Sterbende begleiten lernen“ besucht, den der Malteser Hilfsdienst anbietet und ist jetzt zum ersten Mal im Seniorenheim im Einsatz.

Katharina Münster und deren Vater hätten ihre kranke Mutter zu Hause gepflegt, später täglich im Krankenhaus besucht. Sie sei damals 17 gewesen. „Eines Nachmittags lag meine Mutter tot in einem anderen Zimmer. Als klar war, dass sie sterben würde, hatte man sie in einen separaten Raum geschoben. Ohne uns zu informieren, ich fand das ganz schrecklich“, so Münster. Vor zwei Jahren hat sie ihren Vater zum Sterben zu sich nach Hause genommen. „Dieser gemeinsame Weg war so intensiv bewegend, dass ich diese Erfahrung als ein großes Geschenk in mir trage. Es sind sicherlich meine persönlichen Erfahrungen, warum es mir am Herzen liegt, dass Menschen die Möglichkeit haben, dort zu sterben, wo sie es wollen und unter den Bedingungen, die sie wollen.“ 

In Kliniken und Pflegeheimen hätte das Personal selten Zeit, sich mal eine Stunde zu den Menschen ans Bett zu setzen und sich ihre Geschichten anzuhören. „Die 94-jährige Dame, die ich einmal pro Woche besuche hat Demenz und ist bettlägerig. So in seiner eigenen Welt zu sterben und dabei gut versorgt zu sein, das empfinde ich jetzt überraschenderweise als einen schönen Weg des Sterbens “, sagt Münster. 
Der Sterbebegleiter-Kurs in Wilhelmsburg kam für sie zum richtigen Zeitpunkt: „Meine Kinder sind jetzt groß genug, sodass ich die Kapazitäten dafür habe. Ich kann mir die Zeit fürs Ehrenamt selbst einteilen. Hospizbegleiterin zu sein, ist sehr bereichernd für mein Leben.“ 

Die Malteser suchen weitere ehrenamtliche Sterbebegleiter, die nächste Schulung beginnt am 18. Oktober im Bürgerhaus Wilhelmsburg (Mengestraße 20). Anmeldung unter (040) 603 3001 oder per E-Mail an hospizdienst.wilhelmsburg@malteser.org.


Sterbende begleiten lernen: Kursstart am 18. Oktober

Hamburg. Der Malteser Hilfsdienst e.V. sucht weitere ehrenamtliche Sterbebegleiter. Die nächste Schulung beginnt am 18. Oktober. Anmeldung unter (040) 603 3001 oder per E-Mail an hospizdienst.wilhelmsburg@malteser.org.

Der Grundkurs bereitet Interessenten auf die Begleitung von Menschen vor, die mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert sind. Der Grundkurs umfasst 50 Unterrichtsstunden in der Zeit vom 18. Oktober bis 14. Dezember 2019 und kostet 130 Euro pro Teilnehmer (inkl. Arbeitsmaterialien und kleinem Imbiss an den Samstagen, Ermäßigung möglich).

Kursinhalte sind u.a. die Idee und das Ziel der Hospizbewegung, die persönliche Auseinandersetzung mit Leben und Sterben, Krankheit und Tod, die psychischen, physischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse von Sterbenden und Begleitern, die Wahrnehmung und Kommunikation mit Sterbenden, Möglichkeiten und Grenzen in der Begleitung Schwerkranker und auch die Themen Trauer und Trauerwege. An den Grundkurs schließt ein Praktikum an, das im Malteserstift St. Maximilian Kolbe geleistet werden kann.  

Eine Sterbebegleiterin sitzt am Bett einer schwer kranken Dame. Foto: Malteser

Hamburger Hospizwoche 2019

„Halte meine Hand“: Ein Muslim begleitet Sterbende: Film und Podiumsgespräch am Sonntag, 13.10. von 16 bis 18 Uhr

Foto: Stefanie Langos

Hamburg. Im Rahmen der Hamburger Hospizwoche lädt die Hospizarbeit Wilhelmsburg des Malteser Hilfsdienstes ein zum Filmgespräch mit Sterbebegleiter Hussam Khoder am Sonntag, 13. Oktober von 16 bis 18 Uhr im Bürgerhaus Wilhelmsburg (Mengestraße 20). Der Eintritt ist frei.

Mit ehrenamtlicher Sterbebegleitung konnte Hussam Khoder, der in Berlin aufgewachsen ist, anfangs nichts anfangen. Für ihn war klar: Wird einer krank, kümmert sich die Familie um ihn. Ist jemand sterbenskrank, dann erst recht. In orientalisch-deutschen Familien ist das immer noch Tradition. Doch die Strukturen fangen auch in muslimischen Familien an zu bröckeln; Ehen werden geschieden, Frauen und Männer sind berufstätig – wo bleibt da Zeit für alte und kranke Angehörige? Hussam Khoder ist der erste deutsch-arabische Sterbebegleiter in Berlin.

Er müsse den Angehörigen oft die Angst nehmen, dass man komme, um ihnen die Sterbenden wegzunehmen. Seit gut zwei Jahren begleitet der gebürtige Palästinenser Menschen auf ihrem letzten Weg, egal welcher Herkunft. In der eigenen Familie findet er nicht nur Verständnis für sein Engagement. Die Reportage begleitet Khoder und nimmt die sich verändernden Lebensrealitäten in den muslimischen Gemeinden genau unter die Lupe. Die essentielle Frage stellt sich hier kulturübergreifend: Kann das Ehrenamt ersetzen, was sonst die Familie übernommen hat?

Weitere Infos zur Hamburger Hospizwoche 2019