Der Spaß am Leben hört ja nicht einfach so auf

Karolin Daedelow (33) ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin. Seit sieben Jahren engagiert sie sich für Menschen am Lebensende. Foto: Sabine Wigbers

Wie lange Josephine (24) noch leben wird, ist ungewiss. Sicher jedoch ist ihre Diagnose: Sie leidet unter einer schweren Mehrfach-Erkrankung, die mit einem starken Muskelschwund einhergeht. Ihre Wirbelsäule ist so stark deformiert, so dass sie im Rollstuhl sitzen muss und nur sehr wenige Schritte mit Unterstützung gehen kann. Ihre Hände zittern. Im Kopf ist sie jedoch ganz klar. „Selbst bei einer solch schlimmen Erkrankung hört ja der Spaß am Leben nicht einfach so auf“, sagt Karolin. Die 33-Jährige ist eine von über 150 Sterbebegleitern aus dem Malteser Hospiz-Zentrum. „Ich habe mich für dieses Ehrenamt entschieden, weil ich mich gerne im sozialen Bereich und insbesondere für Kinder und Jugendliche einsetzen wollte. Und ich dachte, warum nicht für diejenigen, denen es besonders schlecht geht?“

Karolin ist bereits seit sieben Jahren ehrenamtlich für Familien, Kinder und junge Erwachsene da, die mit Tod und Sterben konfrontiert sind. Dabei ist jede ihrer Begleitungen ganz anders. „Josephine und ich quatschen einfach total viel miteinander und sitzen dabei in der Cafeteria ihrer Wohneinrichtung.“

Begleitet die Ehrenamtliche Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung, wird häufig zusammen gespielt oder vorgelesen. Karolin verschenkt somit gleich doppelt Zeit, denn die Familie erhält durch ihre Besuche eine kleine Entlastung, kann eine Auszeit von der meist kraftraubenden Pflege nehmen oder sich einmal exklusiv um die Geschwisterkinder kümmern.
„Ich bekomme ganz viel zurück. Die Mutter des Jungen, den ich vorher begleitet habe und der letztlich verstorben ist, hat mir an seinem Grab gesagt, wie sehr sich der Junge immer auf meine Besuche gefreut hat und wie dankbar sie für meine Hilfe ist. Das hat mich sehr berührt und wird mir immer in Erinnerung bleiben,“ sagt Karolin, die ihr Ehrenamt als gut investierte und erfüllende Zeit betrachtet.

Für den Stadtteil Wilhelmsburg suchen die Malteser aktuell neue Sterbebegleiter jeden Alters. Eine umfassende Schulung bereitet auf dieses Ehrenamt vor. Wer pro Woche ca. drei Stunden Zeit übrig hat, empathisch und verlässlich ist, meldet sich für weitere Infos unter 040 603 300 1.


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